Wie würde dir ein kostenloses Probejahr von Kommunismus gefallen? Eine etwas in die Jahre gekommene Ideologie, aber in manchen Ländern immer noch brandaktuell. Du könntest stupide Arbeiten verrichten stets unter der Prämisse es für das Wohl der Allgemeinheit zu tun. Der Staat denkt für dich und kümmert sich um deine Bedürfnisse. Du magst Machtspiele, Intrigen und verpfeifst gerne andere Genossen, die es wagen dieses heilige Konstrukt kritisch zu hinterfragen? Wunderbar, dann bist du auf der Farm der Tiere* genau richtig.
Stell dir vor Stalin wäre ein Schwein. Das alleine ist nicht so schwer, aber ich meine ein richtiges Schwein mit Ringelschwänzchen und Haxen und Steckdosennase. Er hat ein Rudel Hunde um sich geschart, seine persönliche Leibgarde. Stalin grunzt “Alle Tiere sind gleich” und seine Gefolgschaft, bestehend aus erlesenen Nutztieren, johlt zustimmend. Die Hühner gackern aufgeregt, die Pferde wiehern zustimmend und die Katze schnurrt gelangweilt – ein verrücktes tierisches Orchester. Das oberste Gebot auf der Farm der Tiere lautet “Vierbeiner sind Freunde. Zweibeiner sind Feinde.” Beim Zählen deiner Extremitäten bekommst du es plötzlich mit der Angst zu tun. Du überlegst dir, wie du aus der Sache rauskommst und in welches Tier du dich verwandeln sollst. In einen Vogel? Die Äste wären zu schwach, um dein Gewicht zu tragen. Ein Schaf? Diese gelten selbst unter den Hoftieren als unintelligent. Dir bleibt keine Zeit für Eitelkeiten und du entscheidest dich für eine kreative Lösung: Mit fescher Lederjacke stolzierst du über den Hof in der Hoffnung als kühner Stier durchzukommen.
Aber letzten endes ist das alles egal. Du wirst du als Spion enttarnt und dir wird der Prozess gemacht. Tod durch Bolzenschuss, das Gerät haben die Tiere auf der Farm nebendran bei Menschen ausgeliehen. So oder so ähnlich. Klingt verrückt, oder?
Die Geschichte endet mit den mächtigen Worten: “Die Tiere draußen blickten von Schwein zu Mensch und von Mensch zu Schwein, und dann wieder von Schwein zu Mensch; doch es war bereits unmöglich zu sagen, wer was war.“
Unterhaltung (5/5):
Die Geschichte rund um das Dikatorschwein “Napoleon” und seinen Anhängern ist mitreißend. Gewisse Szenen sind teilweise brutal und auf eine Weise erzählt, dass die Tiere eins zu eins mit Menschen gleichgesetzt werden könnten.
Stil (5/5):
Orwell malt sehr deutliche Bilder in unserem Kopf. Man hat das Gefühl live dabei zu sein bei den Schlachten auf dem Hof. Jedes Tier hat eine Aufgabe, die sich einem Klischee bedient. So sind die Schweine die Anführer, da sie als intelligent gelten. Die Pferde sind arbeitswütig und der Esel stur und desinteressiert.
Erkenntnisse (4/5):
Sicherlich kann man in einem Geschichtsbuch mehr über den Kommunismus, und vor allem dem in der ehemaligen Sowjetunion, erfahren. Dennoch verleiht einem das Buch ein gutes Verständnis davon, was es heißt in solch einer Ideologie zu leben: in ständiger Angst dafür bestraft zu werden anders zu denken und die Dinge zu hinterfragen.
Für wen ist das Buch geeignet?
- Personen, die sich für den Kommunismus interessieren
- Tierfreunde
Fazit:
Alex-Liest-Qualitätsscore (ALQS): 14/15
Der Roman erschien 1945 und war im Ostblock damals strikt verboten – also damals wirklich heißer Stoff. Wer den Kommunismus auf eine spielerische und zugleich genial-komische Art und Weise kennenlernen möchte, sollte sich das Buch schnappen.
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